Gerhart Hauptmann – deutscher Schriftsteller und Nobelpreisträger für Literatur des Jahres 1912 – verbrachte im Riesengebirge fast sein halbes Leben. Hier wohnte und schrieb er. Die Berglandschaft war ihm eine beständige Quelle des Schaffens. Heute lässt sich die Region entdecken, indem man die Orte besucht, an denen der Dichter verkehrte. Eine Kulturreise ins Riesengebirge auf den Spuren Hauptmanns führt durch die Villa, in der er schrieb, und über die Wege, die er auf der Suche nach Inspiration ging. Es ist eine Einladung, die Region aus einer etwas anderen Perspektive zu entdecken.
Gerhart Hauptmann und das Riesengebirge – eine literarische Verbindung
Hauptmann wurde 1862 in Schlesien geboren, in Obersalzbrunn (Szczawno-Zdrój), und fühlte sich zeit seines Lebens als Mensch dieser Gegend. Seine ersten großen Erfolge feierte er allerdings fernab der Berge – in Berlin, wo sein Drama „Die Weber“ in den 1890er Jahren einen Skandal auslöste und ihn berühmt machte. Das Stück über den Aufstand der schlesischen Weber war der kaiserlichen Zensur jener Zeit zu aufrührerisch; und es sorgte dafür, dass in immer weiteren Kreisen über Hauptmann gesprochen wurde.
Trotz des gewonnenen Ruhms ließ er sich nicht in Berlin nieder. 1901 zog der Dichter dauerhaft ins Riesengebirge, nach Agnetendorf (Jagniątków) bei Hirschberg. Der Nobelpreis, den er 1912 entgegennahm, erreichte ihn bereits hier, in den Bergen.
Für Hauptmann war das Riesengebirge keine Kulisse. Jeden Morgen ging er in der Umgebung spazieren, notierte Beobachtungen, und nach der Rückkehr diktierte er seinem Sekretär Seite um Seite – bis zum Abend. Die Berge waren seine größte Quelle der Inspiration. Die Villa über Agnetendorf nannte er „die mystische Schutzhülle meiner Seele“.
Haus Wiesenstein – das Herz der Kulturreise ins Riesengebirge
Ein besonders wichtiger Ort, an dem man die Besichtigung beginnen sollte, ist das Haus, das Hauptmann sich in Agnetendorf errichten ließ.
Die Villa Wiesenstein – der Stein auf der Wiese – entstand 1900 bis 1901 nach den Plänen des Berliner Architekten Hans Grisebach. Auf einen Granitfelsen gesetzt, im Stil der Neorenaissance mit Anklängen des Historismus, wirkt sie mit ihrem Turm und den steilen Dächern wie eine kleine Burg. Ein Park von rund 1,6 Hektar umgibt sie, und aus den Fenstern öffnet sich das Panorama des Riesengebirges – das Haus war als Aussichtsvilla gedacht. Der massige, runde Turm gab ihm etwas Wehrhaftes; der Dichter selbst sprach von ihm wie von einem Schutz gegen die Moderne.
Im Inneren verbirgt sich das Werk, das am stärksten beeindruckt. Zu seinem sechzigsten Geburtstag, 1922, beauftragte Hauptmann den Maler Johannes Maximilian Avenarius mit der Ausmalung der Eingangshalle. Avenarius bedeckte sie mit Wandmalereien, die Szenen aus den Werken des Dichters zeigen – und seither trägt die Halle den Namen Paradieshalle. Sie ist heute das Herzstück des Museums, neben dem Arbeitszimmer, der Bibliothek und dem Kaminzimmer.
Zu Lebzeiten war das Haus nicht nur Werkstatt, sondern auch Treffpunkt. Schriftsteller, Maler, Schauspieler und Verleger gingen hier ein und aus – aus dem Riesengebirge wie aus Berlin. Hier heiratete Hauptmann Margarete Marschalk, und hier erreichte ihn die Nachricht vom Nobelpreis. Haus Wiesenstein ist das Herz jeder Kulturreise auf den Spuren des Dichters.
Vom Wohnhaus zum Museum – die Geschichte des Gerhart-Hauptmann-Hauses
Die Geschichte dieses Hauses endete nicht mit dem Tod seines Erbauers – und sie erzählt für sich genommen die Geschichte der Region.
Hauptmann lebte in der Villa bis zu seinem Tod im Jahr 1946. Sein Wunsch war es, Wiesenstein möge ganz zum Museum und Archiv seines Schaffens werden. Es kam zunächst anders: In den Nachkriegsjahrzehnten diente die Villa als Kinderheim.
1989 vereinbarten Bundeskanzler Helmut Kohl und Ministerpräsident Tadeusz Mazowiecki eine gemeinsam getragene Gedenkstätte – eines der Symbole der deutsch-polnischen Aussöhnung. Das Stadtmuseum „Gerhart-Hauptmann-Haus“ wurde zu Beginn des 21. Jahrhunderts eröffnet und lebt heute ein volles kulturelles Leben: mit Ausstellungen, Vorträgen, literarischen Werkstätten und Aufführungen. Die Villa, die einem einzigen Menschen ein Hort der Seele sein sollte, ist zu einem Ort der Begegnung zweier Kulturen geworden.
Weitere literarische Spuren im Riesengebirge – Kulturreise über Wiesenstein hinaus
Eine Kulturreise ins Riesengebirge auf Hauptmanns Spuren ist mehr als ein einziges Haus. Zu den Zielen im Riesengebirge, die man mit einem Besuch in Agnetendorf verbinden sollte, gehört der Ort, an dem diese Geschichte begann – Schreiberhau (Szklarska Poręba).
Hier, nicht in Agnetendorf, ließ sich Hauptmann zuerst nieder. 1890 kaufte er gemeinsam mit seinem älteren Bruder Carl ein altes Haus im Tal der Sieben Häuser. Unmittelbares Vorbild war ihnen das berühmte Worpswede bei Bremen – jene Künstlerkolonie, die beide regelmäßig besuchten. Bald wurde ihr Haus zum Zentrum einer eigenen Kolonie, die man das schlesische Worpswede nannte: Schriftsteller, Maler und Gelehrte ließen sich im Tal nieder oder kamen zu Besuch, unter ihnen Paula Modersohn-Becker und Otto Modersohn aus der ursprünglichen Kolonie bei Bremen. In Schreiberhau, im Tal der Sieben Häuser, entstanden Hauptmanns bedeutendste Dramen – „Die Weber“, „Der Biberpelz“, „Fuhrmann Henschel“.
Die Gemeinschaft der Brüder hielt nicht ewig – sie zerbrach in einem Familienstreit. Carl blieb in Schreiberhau, Gerhart baute wenige Hügel weiter seine eigene Villa. Heute ist das Carl-und-Gerhart-Hauptmann-Haus in Schreiberhau ein Museum, das an diese Künstlerkolonie erinnert.
Mit dem Bruder verbindet sich noch ein literarischer Faden – Rübezahl, der Geist der Berge, dessen Name in seinem Reich besser nicht laut ausgesprochen wird. Es war Carl Hauptmann, der ihm ein literarisches Denkmal setzte: Sein Rübezahlbuch von 1915 gilt als die vollständigste literarische Fassung der alten Sagen des Gebirges. Die Einheimischen, die sahen, wie Carl durch die Berge zog und Legenden sammelte, nannten ihn eine Verkörperung des Berggeistes selbst.
Schloss Wernersdorf – stilvolle Basis für eine Kulturreise ins Riesengebirge
Nach einem Tag voller Besichtigungen ist es schön, an einem Ort mit ähnlicher Geschichte ausruhen zu können. Kaum einer eignet sich besser als ein Schloss aus derselben Gegend und fast derselben Epoche, in der Hauptmann schrieb.
Schloss Wernersdorf (Pałac Pakoszów) entstand 1725 als Sitz eines Leinenhändlers. Als Hauptmann in Agnetendorf schrieb, stand in Wernersdorf bereits seit fast zwei Jahrhunderten ein barockes Herrenhaus, das der Dichter von seinen Fahrten durch das Tal gekannt haben mag.
Das Haus selbst verlängert den kulturellen Charakter einer solchen Reise. Barocke Räume, eine Schlossbibliothek mit Büchern in vielen Sprachen, die Stille alter Mauern – eine natürliche Umgebung für jemanden, der anreist, um ein Stück des kulturellen Erbes dieser Region zu entdecken. Das Palais liegt im malerischen Tal der Schlösser und Gärten, unweit der Villa in Agnetendorf und des Hauses der Brüder in Schreiberhau. Das Schlossrestaurant bietet regionale Küche – ein Abendessen kann so die Besichtigung abrunden.
Das Erbe der Region entdeckt man am besten, wenn man an einem Ort nächtigt, der selbst Teil der Geschichte dieser Landschaft ist. Am Abend können Sie von der Terrasse oder vom Fenster Ihres Zimmers auf die Berge blicken – und sie mit den literarischen Bildern vergleichen, die der Nobelpreisträger einst schuf. Mehr anzeigen: https://www.palac-pakoszow.pl/de/hotel/veranstaltungen/auf-den-spuren-von-gerhart-hauptmann-im-riesengebirge-eine-literarische-reise-mit-schloss-wernersdorf-als-heimatbasis.












